Zukunftsschutzgebiet
Stadtraum

Stadtraum-Safari

Im Bustour-Format wird auf heikle und bedrohte Orte in der Stadt aufmerksam gemacht. Mit viel Presse, geladenen VIP-Gästen und natürlich der Zivilgesellschaft ist sie ein einmaliges Format für spannende Diskurse um den umkämpften Stadtraum.

Foto: Ralf Menzel

Foto: Ralf Menzel




> Ziel: In jeder Stadt gibt es sowohl Perlen der Stadtentwicklung von unten, als auch noch brachliegendes Potenzial, was von zivilgesellschaftlichen Initiativen genutzt werden will!  Doch stehen die Sterne dafür nicht immer gut: sei es, dass die Perle Modernisierungsansätzen weichen soll oder dass ungenutzte Orte hinter der Privatisierung unerreichbar werden. Ziel einer Stadtraum-Safari ist, genau diese Orte “anzufahren”, um einem breiten Spektrum an Anwesenden - von Stadtplaner:innen über Politiker:innen hinzu Verwaltungsangestellten - einerseits eine Wahrnehmung des Ortes zu ermöglichen und andererseits den Initiativen Raum zu geben in kurzen und knackigen Statements ihre Herausforderungen als Raummacher:innen zu skizzieren. Fahrtzeit und Kaffeepausen werden für Austausch über das Gesagte genutzt. Eine Pressekonferenz rundet die Safari ab und gibt der angesprochenen Problematik eine öffentliche Bühne. Durch das Aufzeigen der Vielfalt an Orten und involvierten Menschen verschiebt sich der Fokus von Einzelinteressen hin zum (An-)Erkennen der Raumproblematik als ein gesamtgesellschaftliches und stadtpolitisches Thema.


> Warum?

  • um den Anfang eines offenen Dialogs zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Stadtplanung zu fördern
  • um zivilgesellschaftlichen Stadtmacher:innen Gehör zu verschaffen
  • um bedrohte Orte und verschüttete Potenziale einer Stadt sichtbar zu machen
  • um eine Plattform für ein gesamtstädtisches und planerisches Problem zu schaffen


> Speaker:innen:

  • zivilgesellschaftliche Akteur:innen, die gegenwärtig bedrohte Orte betreiben, mit ihrem Raumprojekt gescheitert sind oder sich für eine potenzielle Fläche einsetzen
  • eine Moderation, die mit den lokalen Problematiken und Stadtentwicklung bekannt ist - und das mit spitzem Humor darstellen kann 
  • für die Pressekonferenz: wichtige Menschen der Entscheidungsebene, z.B. Amtsleitung des Stadtplanungsamtes, Bürgermeister:innen, Politiker:innen aus kommunaler Ebene etc., 1 - 2 Stadtmacher:innen von unten


> Teilnehmende / Gäste: Menschen aus allen Bereichen (Politik, Wissenschaft, Planung, Stadtverwaltung) der Stadtentwicklung - insbesondere von lokaler, gerne aber auch von Landes- bzw. Bundesebene - sind herzlich eingeladen! Es bedarf unbedingt einer Heterogenität der Berufsgruppen, erst dann wird es spannend. Und natürlich weitere Stadtmacher:innen und die Presse! Die Veranstaltung findet auf Einladung bzw. mit Anmeldung statt.


> Wo, Wann, Wie lang? Das eine “Wo” sind die umkämpften Orte der Stadt; das andere “Wo” ist der Bus. Es braucht unbedingt einen klaren Startpunkt für die Teilnehmenden für Check-In & Check-Out (z.B. einer der betroffenen Orte). Vergesst nicht, euch eine Regenvariante für Auftakt und Pressekonferenz zu überlegen! Ansonsten finden diese direkt auf einer Brache / Potenzialfläche / in einem leerstehendem Haus statt. “Wann” ist am besten unter der Woche am Nachmittag: einerseits, da es dann noch in der Arbeitszeit der Verwaltungsangestellten etc. liegt und andererseits, damit andere die Möglichkeit haben nach der Arbeit dazuzustoßen. Die Stadtraum-Safari geht insgesamt 2,5h.

>> ! Ihr könnt die Safari auch als Rad-Tour planen - für den positiven ökologischen Fußabdruck. Seid euch aber bewusst, dass dann weniger Orte angefahren werden können, weil es länger dauert. Und dass sich nicht alle gerne auf ein Fahrrad schwingen (können), besonders im Stadtverkehr.


> Zeitpunkt: Immer dann, wenn man auf ein gesamtstädtisches Problem aufmerksam machen möchte - z.B. vor einer Wahl. Warme Jahreszeiten eignen sich besonders gut, um sich umstandslos auf den Flächen austauschen zu können.


> Vorbereitung & Durchführung:

// 3 Monate vorher:

  • gründet ein Orga-Team aus mindestens 2 Personen
  • Recherchiert die wichtigsten Menschen (v.a. Politiker:innen), die unbedingt Teil dieser Tour sein müssen, um das Problem auf die Agenda zu setzen - mit ihnen setzt ihr ein Datum fest

>> ! Überlegt dabei gleich, wer Teil der Pressekonferenz sein soll. Fragt diese Personen direkt für ihre Teilnahme an.

  • sucht Stadtmacher:innen eurer Stadt, die Geschichten des Scheiterns, Bangens und Hoffens erzählen können 

>> ! Die Stadtraum-Safari ist ein extrem gutes Setting, um auf gegenwärtige Bedrohungslagen von Gemeinschaftsorten aufmerksam zu machen - bietet sie insbesondere Stadtmacher:innen als Plattform an, die zum Zeitpunkt in Schwierigkeiten stecken 

  • legt eine Liste an mit Pressevertreter:innen und kontaktiert sie (dranbleiben!)
  • nehmt Kontakt zu Stadtplaner:innen, Architekt:innen, Planer:innen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen (Lokal, Land, Bund) für eine Teilnahme auf: ihr könnt mit den bereits vorhandenen Zusagen anderer gut werben.
  • sucht eine passende Moderation
  • checkt einen geeigneten Raum / ein passendes Außensetting für den Start- und Endpunkt 
  • organisiert einen Bus + Fahrer:in!
  • überlegt euch ggf. eine passende Außengestaltung des Busses

// 2 Monate vorher:

  • legt eine Busroute anhand der gefunden Stadtmacher:innen fest - achtet darauf, dass sie nicht zu lang ist (max. 2h Fahrtzeit!). Fahrt dafür die Strecke (auch mal im Berufsverkehr) ab!
  • checkt eure bisherige Teilnehmenden-Liste und die Buskapazitäten: wie heterogen ist die Gruppe, wer fehlt noch, wie viel Platz ist übrig? Es sollte ca. 70% “geladene Gäste” sein, 30% sollte offen bleiben für Anmeldungen von Interessierten

>> Im Bus sind die Sitzplätze begrenzt und niemand sollte während der Tour stehen müssen - unbedingt darauf achten, die Kapazitäten nicht zu überlasten!

  • Tontechnik klarmachen für die Safari sowie die Abschlussdiskussion

// 1 Monat vorher:

  • setzt alle Teilnehmenden und Speaker:innen in Kenntnis, wo die Route langführen wird und wann & wo das Onboarding stattfindet
  • erklärt den Speaker:innen Ablauf und Inhalt: Sie steigen erst bei ihrem Ort zu, erzählen im Bus knackig einen Abriss der Geschehnisse und stellen ihre wichtigsten Erkenntnisse / Herausforderungen dar
  • öffnet die Anmeldung für die externen Plätze - macht dafür ordentlich Werbung in passenden Netzwerken
  • Briefing mit der Moderation: welche Orte werden angefahren, wer sind die Speaker:innen, was gibt es zu der Stadt zu erzählen, wer sind die Teilnehmenden, was sind gute Fragen für die Pressekonferenz etc.
  • gestaltet eine Bustour-Karte mit Hintergrundinformationen zu den Orten und Akteur:innen
  • kauft Einweg-Kameras als kleine kollektive Dokumentationsaufgabe für die Gäste  - denen kann man auch noch ein individuelles Design verpassen!
  • Catering & Getränke für die Tour und die Pressekonferenz checken
  • Route der/dem Busfahrer:in mitteilen

// 1 - 2 Wochen vorher:

  • versichert euch über das Kommen eurer Speaker:innen, wichtigsten Gäste & den Presseleuten(!). Klärt die letzten noch offenen Fragen
  • schließt die Anmeldung. Macht euch direkt im Anschluss Gedanken, wer wo von euren Gästen sitzen soll, um spannende Gespräche und Diskussionen anzuregen
  • Sagt den Speaker:innen, sie sollen ein auffallendes Accessoire mitbringen, sodass sie von normalen Passant:innen hervorstechen, wenn der Bus sie einsammelt.
  • bestimmt jemanden aus dem Orga-Team, der/die während der Fahrt die wichtigsten Statements für die Dokumentation mitschreibt / -schneidet

// am Tag:

  • In der Früh: Briefing der Speaker:innen per Telefon / Mail: wann und wo ist Treffpunkt, wo ist die Moderation im Bus zu finden, wer  ist ihr/e Sitznachbar:in (Sitzplatz und Reihe)
  • Bus mit Bannern oder anderem Kram gestalten; Sitzplatzreservierungen anbringen
  • bereitet den Startpunkt sowie die Endhaltestelle mit Tontechnik, Stühlen, Bänken, evtl. Getränken / Catering vor - ganz kreativ mit dem Motto “Bushaltestelle und Safari” 

>> ! Speaker:innen, geladene Gäste, Presse und Externe sollten schnell herausfinden, dass das der Anlaufpunkt dieses Wagnisses ist

  • 1 Stunde vor Beginn: trefft euch mit der Moderation
  • ½ Stunde vor Beginn: Presse-Akkreditierung am Startpunkt 
  • ¼ Stunde vor Beginn: Onboarding (damit alle auch auf ihren Plätzen sitzen)

// Ablauf der Tour:

  • am vorbereiteten Startpunkt warten die Organisator:innen und die Moderation auf die Pressevertreter:innen, Gäste und Teilnehmende, heißen sie willkommen und verteilen Tour-Karten sowie Einweg-Kameras und Sitzplatzzuweisungen
  • zum Onboarding wird die Route erläutert, die noch zusteigenden Akteur:innen der Route vorgestellt und die Doku-Aufgabe für die Kameras erläutert: Fühlen Sie sich als Forscher:in im unbekannten Land & halten Sie ihre spannendsten Safari-Erlebnisse fest!
  • Der Bus fährt nun von Stop zu Stop. Bei jedem Halt steigt ein:e Speaker:in hinzu und während der Bus bereits weiterfährt, stellt die Moderation den/die Zugestiegene:n vor. Der/die Speaker:in setzt sich dabei neben die Moderation und berichtet kurz und knackig wer er/sie ist, was ihre Initiative macht und was das Problem ist. Nach diesem ca. 5 - 10-minütigen Austausch setzt sich der/die Speaker:in auf seinen/ihren Sitzplatz.
  • In den weiteren Fahrtzeiten gibt die Moderation Informationen zum nächsten Haltepunkt oder erzählt spannende Anekdoten zu Orten, an denen man vorbeifährt. Alle Teilnehmenden knipsen währenddessen ihre Einwegkameras voll.

>> ! Ihr könnt auch einen längeren Zwischenstop mit Kuchen und Kaffee an einem geeigneten anschaulichen Ort machen. Haltet euch aber kurz (15 - 20 Min.), sonst dauert die Safari zu lange.

  • Endhaltestelle ist der Ort, wo die Pressekonferenz stattfinden wird. Es sind sowohl Stadtmacher:innen, als auch Verwaltungsleitung und Politiker:innen am Pult (max. 4 Teilnehmende). Die Moderation setzt das Thema (z.B. der koproduktiven Stadtentwicklung) durch gezielte Fragen und strickt die Erkenntnisse der Safari mit ein. 

>> ! Vergesst nicht, die Einwegkamers wieder einzusammeln. Direkt beim Aussteigen aus dem Bus oder nach der Pressekonferenz - macht es erkenntlich, wann & wo sie abzugeben sind.

// 1 - 2 Wochen danach:

  • Kamerabilder entwickeln und in Erinnerungen schwelgen
  • Veröffentlicht über eure Kanäle Fotos, Anekdoten und die wichtigsten Statements!  
  • Pressespiegel anlegen und an alle Teilnehmenden, zusammen mit den besten Fotos (auch der Einwegkameras) herumschicken - am besten noch mit einem knackigen Statement des Orga-Teams zum Thema Stadtentwicklung & Räume für Subkultur und co.!

>> ! Hier könnt ihr auch sehr gut mit den Statements der Pressekonferenz arbeiten. Wenn etwas Sinnvolles dabei ist von eine:r Lokalpolitiker:in, nagelt sie/ihn gerne ein bisschen darauf fest.


> Worauf noch zu achten ist: Das Format dient einem Auftakt für kommende Dialoge zum Thema der Raumproblematik! Es ist dafür ein wichtiges erstes Kennenlernen sowie Verknüpfung zwischen der Zivilgesellschaft und allen anderen Ebenen. Deswegen: Niemand sollte auf der Safari-Tour bloßgestellt werden bzw. den Raum zum Rummotzen nutzen können. Es geht um Verständnis schaffen und Brücken bauen - denn eigentlich wollen alle eine lebenswerte Stadt mit viel Raum für Miteinander. Umso wichtiger ist es, eine kompetente Moderation zu finden, die Frustration und Vorwürfe gut abpuffern kann.


> Wie war es bei uns? Die Stadtraum-Safari war innerhalb der #raumkon19 ein Höhepunkt-Event, insbesondere auch durch die Teilnahme hoheitlicher Entscheider:innen, u.a. dem Leiter des Stadtplanungsamtes Dresdens und Monika Thomas (Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung, Wohnen und öffentliches Baurecht im BMI). Durch die humorvolle Moderation, dem Knipsen mit den Kameras und der vorher festgelegten Sitzplatzkonstellation kam es zu einer interessanten und ausgelassenen Stimmung an Board. Leider hatten wir durch einen Stau Verspätung, sodass es eine sehr kurze Pressekonferenz mit Monika Thomas wurde. Doch konnte hier vor allem verdeutlicht werden, dass es bei der Raumproblematik nicht um Einzelinteressen, sondern um ein gesamtstädtisches Anliegen geht. Durch die anwesenden Pressevertreter:innen wurde das Thema vielseitig in den Medien platziert. Gebracht hat die Stadtraum-Safari viel Aufmerksamkeit für die umkämpften Orte der Stadt, sehr konstruktive Gespräche zwischen unterschiedlichen Akteur:innen und den 1. Preis für Monika Thomas im Fotowettbewerb.

>> ! Beim “Safari”-Thema kann man natürlich schnell ins Klo greifen - wir haben es dennoch gewählt, weil es uns darum ging Forscher:innen in einem fremden Feld zu sein, um einen Perspektivwechsel zu forcieren. Passt einfach gut auf, dass ihr nicht in den falschen Humor rutscht!


> Kostenpunkte: Catering-Kosten, Miete für Bus / Technik / Möbel / Räumlichkeiten, Honorar für Moderation, Busfahrer:in und Printmedienlayouz, Einwegkameras (Kauf & Entwicklung), Print-Druckmedien (Infobroschüre & Bus-Banner)


> Kontakt-Person #raumkon19: Bettina Weber (betti@konglomerat.org)


Hier geht es zur durchgeführten Veranstaltung vom 19.06.2019.

Foto: Ralf Menzel

Foto: Ralf Menzel