Zukunftsschutzgebiet
Stadtraum

Gemeinwohl durch Immovielien

... da stellen sich gleich zwei Fragen: Was ist Gemeinwohl und was, bitteschön, sind Immovielien?

Foto: Bastian Löhrer

Foto: Bastian Löhrer


Der Begriff Gemeinwohl wird täglich gedreht und gewendet. Eine einheitliche Definition gibt es dennoch nicht. Mona Gennies (Koordinierungsstelle Netzwerk Immovielien) hat mit ihrer Masterarbeit einen neuen Anlauf unternommen. In einer analytischen Betrachtung von Gemeinwohlökonomie, Baugesetzbuch, Stadtrenditen und Wohngemeinnützigkeit hat sie das Wort im Rahmen von Stadtentwicklungsdebatten mit Inhalt gefüllt.

Eine erste Präsentation der Ergebnisse findet sich hier. Im Sommer 2020 folgt eine detailliertere Ausarbeitung.

Immovielien wiederum ist kein so alltäglicher Begriff. Das Netzwerk Immovielien nennt so Immobilien, die von Vielen für Viele geschaffen werden: selbstorganisiert, solidarisch und in Kooperation mit Partnern entwickelt, für eine lebendige und zukunftsorientierte Nachbarschaft.

Ein Beispiel der konkreten Umsetzung von Immovielien im rechtlichen Rahmen geht die Stadtbodenstiftung in Berlin an. Ziel der Initiative ist es, einen Gegenpol zur Spekulationsspirale in Berlin zu setzen, indem Grund und Boden dem profitorientierten Markt entzogen, nachbarschaftlich-demokratisch verwaltet und dauerhaft für eine gemeinwohlorientierte Bewirtschaftung gesichert werden. Die Stiftung hält dabei den Boden und vergibt Erbbaurechte an gemeinwohlorientierte Träger.

In ihrer Broschüre "Der Spekulation den Boden abgraben" erklärt die Stadtbodenstiftung das Konzept ihrer basisdemokratischen Stiftung. Vorbild ihres Handelns ist das Modell des Community Land Trust (CLT). Dies ist eine gemeinschaftliche, nicht gewinnorientierte Eigentumsform, mit der Grund und Boden der Spekulation entzogen wird, um ihn für bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, aber auch für andere gewerbliche, soziale oder kulturelle Nutzungen – von Nachbarschaftszentren über Gewerbehöfe bis zu Gemeinschaftsgärten.

Anders als zu den meisten Stiftungen gründet sich die Stadtbodenstiftung nicht mithilfe des Vermögens einer einzelnen wohlhabenden Person. Vielmehr orientiert sie sich am Prinzip der Bürgerstiftungen und soll schon zu Beginn durch eine Vielzahl an Gründungsstifter*innen auf einer breiten Basis aufgebaut werden. Dazu werden noch Stifter*innen gesucht.

Der Immovielientag bei der Raumkonferenz in Dresden - die gesamte Dokumentation vom Netzwerk Immovielien gibt es hier!