Zukunftsschutzgebiet
Stadtraum

Fallstudien: Schreiben an der Mustersprache koproduktiver Stadtentwicklung

Ein intensiver Austausch im spielerischen Workshopformat über immer wiederkehrende Herausforderungen beim alltäglichen Stadtmachen. Das Ziel ist, in C. Alexanders Art eine Mustersprache für Stadtmacher:innen zu erstellen - nicht einfach, aber super spannend!

Foto: Ralf Menzel

Foto: Ralf Menzel




> Ziel: Die Fallstudien sind eine besondere Art der Annäherung an Problemlösungen. Es werden weder alleinig Einzelfälle und ihre spezifischen Lösungen betrachtet, noch wird sich mit Best Practice überschüttet. Hier geht es darum, Akteur:innen mit einer ähnlichen Ausgangslage oder einem ähnlichen Problem zusammenzuholen und ihre Situationen übereinanderzulegen. Daraus werden Muster identifiziert, die sich sowohl im Problem als auch im Lösungsansatz wiederfinden. Die entstandenen Muster sind Anknüpfungspunkte für Problemlösungen. Sie helfen Akteur:innen in ähnlichen Situationen: Diese können die Muster entsprechend ihrer Herausforderung individuell ausgestalten und kombinieren.

>> ! Für dieses Format ist es wirklich sinnvoll, dass sich min. 1 Person sehr gut mit der Theorie & dem Format der Mustersprache auskennt. Am besten habt ihr eine:n Expert:in mit vor Ort, der/die einen Input dazu gibt und bei der Ausarbeitung hilft, in die Denkweise der Muster hineinzukommen.


> Warum? 

  • damit die sich wiederholenden Probleme koproduktiver Stadtentwicklung zutage treten & gemeinsam angegangen werden
  • damit Stadtmacher:innen von den Erfahrungen anderer lernen, Wissen und Expertise austauschen und diese auf eigene Herausforderungen anwenden können
  • um aus der Übereinanderlegung mehrere Einzelfälle konstruktive Schlüsse für andere zu ziehen


> Speaker:innen: 

  • Moderationsteam (2 Pers.): am besten jemand, der sich mit Erfahrungs- und Expertisenaustausch beschäftigt, z.B. urban equipe (CH)
  • Vortragende zur Mustersprache, z.B. Sabine Pfister, Silke Helfrich oder Helmut Leitner
  • “Fallbeispiele”: Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft, der Verwaltung & Politik, die alle praktische Erfahrungen zu einem bestimmten Thema haben (3 - 4 pro Workshop). Themen für eine Fallstudie können z.B. sein: “Entwicklung einer Immobilie von unten” / “Bespielung des öffentlichen Raums durch die Zivilgesellschaft” / “Zwischennutzungen auf Brachflächen”
  • Nice-to-have: sucht jemanden, der jedes generierte Muster im Workshop per graphic recording in einem Bild zusammenfasst. Das macht die späteren Muster anschaulicher!


> Teilnehmende / Gäste: Interessierte Stadtmacher:innen sind die Zielgruppe! Die Teilnehmenden haben einen aktiven Part im Workshop bei der Mustererstellung, deswegen ist diese doch homogen gewählte Zielgruppe sinnvoll. Erfahrungen auf dem Gebiet des Stadtmachens sind deswegen sehr von Vorteil, um vorantreibende Diskussionen zu haben. >> ! Menschen ohne Erfahrungen bzw. aus anderen Zielgruppen sind auch willkommen - eine sehr heterogene Gruppe führt aber zu einem erhöhten Bedarf des Verständnisschaffens, ehe man auf einer guten Ebene für die Mustersprache ankommt.


> Wo, Wann, Wie lange? Es braucht einen Seminarraum für alle Teilnehmenden (ca. 20 - 35 Pers.), in dem mehrere Arbeitsgruppen (4 - 5) parallel arbeiten können. So ein Workshop passt gut in die Nachmittagsstunden, damit es außerhalb der Arbeitsverpflichtungen liegt. Da der Workshop aber ca. 4 - 5 h geht, sollte nicht zu spät gestartet werden.


> Zeitpunkt: Falls es ein Festival in eurer Stadt gibt, wo viele Stadtmacher:innen vor Ort sind, ist es perfekt! Aber an sich passt der Workshop immer, wenn ihr Lust darauf habt die Mustersprache anzuwenden und koproduktive Stadtentwicklung voranzutreiben.


> Vorbereitung & Durchführung: 

// 3 Monate vorher:

  • gründet ein Orga-Team aus 2 Personen
  • Recherchiert sowohl Moderationsteam als auch eine:n Speaker:in zur Mustersprache. Stimmt mit ihnen zusammen einen Termin ab
  • Recherchiert Menschen, die als Fallbeispiel dienen könnten, zu eurem gewählten Thema - ihr braucht pro Workshop 3 - 4 unterschiedliche Inputs zum gleichen Thema.
  • Sucht eine:n Graphic Recorder:in (Nice-to-have)
  • Setzt einen Termin fest
  • Sucht einen passenden Seminarraum.

// 1 Monat vorher: 

  • Klopft endgültig alle Speaker:innen und Fallbeispiele fest. 
  • Stimmt mit dem Moderationsteam und dem/r Speaker:in den Ablauf und alle notwendigen methodischen Arbeitsmaterialien ab (s. Ablauf des Workshops)
  • Geht mit den Fallbeispielen den notwendigen Input ihrerseits durch: einen 2 -3-minütigen Input zu ihrer Initiative bzw. ihrem Projekt mit Darstellung ihrer aktuellen Lage (Bilder zur Anschauung sind gut).

>> ! Es geht um eine sehr kurze und präzise Vorstellung des Fallbeispiels in ihrer aktuellen Situation bezüglich des Themas des Workshops! Alles andere kann dann in der Kaffeepause erzählt werden.

  • Bewerbt eure Veranstaltung, das Thema und den Termin im breiten Netzwerk der Stadtmacher:innen-Initiativen. Eine Anmeldung ist sinnvoll, um die Fülle des Raums kalkulieren zu können.

// 1 - 2 Wochen vorher: 

  • Sind noch alle Angefragten am Start? Lasst euch die PPP eurer Speaker:in und die Bilder der “Fallbeispiele” zuschicken! 
  • Schickt den “Fallbeispielen” das Arbeitsblatt der “Fallbeispiele” zu und lasst die Kurzbeschreibung und die Herausforderung fertig ausfüllen - das spart Zeit am Workshoptag!
  • Bastelt die Derivé-Würfel mit Fragen - das spart ebenfalls Zeit beim Workshop ;) 
  • Macht weiter fleißig Werbung!

>> ! Alle Arbeitsblätter und -materialien könnt ihr momentan bei marie@konglomerat.org anfragen. Zu gegebener Zeit wird es hier einen wundervollen Download-Button geben.

Vorlage Fallbeispiel-Arbeitsblatt

Vorlage Fallbeispiel-Arbeitsblatt


Vorlage Derivé-Würfel

Vorlage Derivé-Würfel

// am Tag: 

  • Bereitet den Raum vor: stellt die Tische in Tischgruppen (4 - 6 Pers.) zusammen, richtet den Beamer und sonstige Technik ein, stellt Snacks & Getränke zur Verfügung
  • Geht mit dem Moderationsteam nochmal den Ablauf durch, bereitet alle notwendigen Arbeitsmaterialien vor: “Fälle” der Fallbeispiele ausdrucken, Beispiele weiterer Mustersprachen (z.B. Christopher Alexander, The Hum), Fallkarten-Arbeitsblätter zum Ausfüllen, Derivé-Würfel mit Fragen & Hüte-Verteilung für die Interviewphase, Stifte / Schmierpapier / Flipcharts
Vorlage Muster-Arbeitsblatt

Vorlage Muster-Arbeitsblatt

Vorlage Hut-Verteilung

Vorlage Hut-Verteilung

// Ablauf des Workshops: 

  • Vorstellung des Orgateams, der Speaker:innen und des Ablaufs
  • spielerische Vorstellung aller Teilnehmenden: dabei sollte jede:r mal gesagt haben, was er/sie für einen Hintergrund hat, den er/sie in den Workshop mitbringt - ihr hockt 4 Stunden zusammen, da ist so eine Vorstellungsrunde echt sinnvoll!
  • Vorstellung der “Fälle”, d.h. der Menschen der Fallbeispiele - pro Initiative max. 3 Min., gerne untermalt mit Bilder-Power-Point
  • kurze Pause: hier könnt ihr bei Bedarf den Raum umgestalten zu den Tischgruppen
  • Input zur Mustersprache: Was sind Muster, wie sind sie aufgebaut, wie “denkt” man in der Mustersprache? (30-45 Min.)

Einstieg in Kleingruppenarbeit:

  • pro Tisch 1 - 2 Menschen der Fallbeispiele und 4 - 5 weitere Teilnehmende. Überlegt euch vorher wie ihr die Gruppen bildet. Bevor es in die Gruppen geht, beschreibt den Ablauf sehr genau - er ist nämlich nicht so einfach! Haltet den Ablauf am besten auf einem Flipchart fest & klebt ihn sichtbar im Raum irgendwohin. Für die Kleingruppenarbeit gibt es das Arbeitsmaterial “Hüte”: diese sollten die Kleingruppen für sich vor Beginn zuteilen. Jede Gruppe bekommt zudem einen Derivé-Würfel. Dann geht’s los wie folgt:
  • Interviewphase: die Teilnehmenden quetschen den/die Fallbeispiele über ihre Situation aus: Was ist die Herausforderung? Wo steckt es gerade fest? Wie geht ihr vor? Was sind erste Erfolge? etc. Der Derivé-Würfel ist hierfür sinnvoll, um schnell ins Fragen-Antworten zu kommen. → Zusammentragen der Ergebnisse auf der “Fallkarte” von dem/der Protokollant:in: Lösungswege, Ergebnissituationen
  • Intensivierungsphase: die Kleingruppen tauschen sich über erste muster-artige Ansätze in den Antworten aus und halten diese auf den Musterkarten fest

=> Nach 30 Min. wechseln die Kleingruppen zum nächsten Tisch, wo sie auf eine neues Fallbeispiel treffen, der Kleingruppen-Prozess startet von vorn. Beim Tischwechsel kann gern die Rollenverteilung innerhalb der Kleingruppe geändert werden.

  • Nach max. 3 Runden der Kleingruppenarbeit gibt es nochmal 10 Minuten, wo sich jede Kleingruppe ihre gesammelten Musterkarten anschauen & die Muster auswählen, die am konkretesten sind, um sie im Plenum vorstellen zu können.

>> ! In der Kleingruppenarbeitszeit läuft der/die graphic recorder:in herum, hört zu, lässt sich Muster erklären & fasst es in einer Zeichnung zusammen. Diese kommt dann direkt auf die Musterkarte.

  • PAUSE! Spätestens hier braucht es Snacks, damit die Leute nicht vom Fleisch fallen.
  • Großplenum: Reihum werden in der Gesamtgruppe alle ausgewählten Muster vorgestellt von je 1 Person pro Kleingruppe. Die Vorstellung sollte pro Muster nicht länger als 2 Minuten dauern. Die Muster werden für alle gut sichtbar in der Mitte platziert. Wenn es Übereinstimmungen gibt mit Mustern anderer Gruppen, wird das per Handzeichen erkenntlich gemacht und die Muster zusammengelegt. 
  • Letzte Denkaufgabe - die Cluster-Runde: es werden in der Gesamtgruppe Vorschläge zu übergeordneten Themen der Muster gegeben und die Musterzettel darunter kategorisiert.

>> ! Zum Clustern lohnen sich Flipcharts / Stellwände, damit man sämtliche Blätter in ihren Clustern zusammenpinnen kann. 

  • Zuletzt gibt es ein großes Dankeschön fürs Durchhalten von allen! Wenn möglich sollte noch ein bisschen Raum sein, damit die Kaffepausengespräche ausklingen können. 
  • Moderations- und Orga-Team fotografieren alle entstandenen Muster + Cluster!

// 1 - 2 Wochen danach:

  • Fangt grob an, die Muster aufzuarbeiten. D.h. ordnet die übriggebliebenen graphic recordings den Mustern zu, scannt sie ein (oder noch besser: tippt sie ab). Schickt die Muster, die am weitesten entwickelt wurden (Titel, Problem, Strategie und Lösung sind da) an die Teilnehmenden. 

// .. und dann?

  • Es ist bestimmt sehr viel Material entstanden! Jetzt kommt es darauf an, ob ihr Bock habt an der Mustersprache weiterzuarbeiten. Das ist ein intensiver Prozess, der viele Überarbeitungsschleifen hat, das ist schon etwas zeitintensiv! Sucht euch dafür Projektförderungen und überzeugt im besten Falle eure/n Muster-Speaker:in, euch zu unterstützen. Ziel wäre, die bereits entstandene Mustersprache der #raumkon19 zu erweitern - denn 1000 neue Mustersprachen kann es gar nicht geben. Sonst wären es ja keine Muster ;) 


> Worauf noch zu achten ist: 

Diese Fallstudien sind echt eine harte Nuss. Es ist krasse Denkarbeit - deswegen stellt Nervennahrung für den Workshop bereit! Und macht lieber eine Runde weniger Kleingruppenarbeit und erklärt dafür länger die Vorgehensweise, wie Muster geschrieben werden bzw. gebt Zeit, ein Muster intensiver auszuarbeiten. Es ist wirklich eine ganz andere Form des Denkens, in die man nicht von jetzt auf gleich einsteigen kann. 

Die Arbeitsmaterialien stammen alle von Urban Equipe, da wir mit ihnen zusammen das Format erarbeitet haben. Die Materialien sind unter CC BY 4.0 lizensiert. Das bedeutet, ihr dürft sie unter Verweis auf die Urban Equipe kopieren, teilen und je nach individuellen Bedürfnissen weiterentwickeln. 


> Wie war es bei uns? 

… ziemlich chaotisch, da es für alle Beteiligten ein Experiment war. Aber mit jeder Durchführung wurde es besser. Wir haben das Format laufend entwickelt und direkt am nächsten Tag wieder ausgetestet. Insgesamt haben wir 4 Fallstudien durchgeführt und uns an dem Format zu Beginn die Zähne ausgebissen. Die Workshops sollten wirklich min. 4h gehen, sonst ist zu wenig Raum für Austausch und Denkarbeit. Durch das geniale Team von Urban Equipe und Sabine Pfister (InterQuality GmbH) konnten sehr viele angefangene Muster zu den jeweiligen Themen generiert werden. Bei der späteren Aufarbeitung der Ergebnisse als eigenständige Mustersprache konnte festgestellt werden, dass es für den Beginn absolut sinnvoll war 4 Workshops durchzuführen - es entstehen viele halb ausgefüllte Musterkarten und nach dem Komprimieren, hatten wir eine gute Menge um die Mustersprache zu entwickeln. Da nun die Grundlagen der “Mustersprache koproduktiver Stadtentwicklung” gelegt ist, müsst ihr aber nicht nochmal so ein großes Paket an Fallstudien durchführen, wenn ihr die Mustersprache weiterschreiben wollt ;)


> Kostenpunkte: Honorare Moderationsteam & Muster-Input; Honorare & Reise- und Unterkunftskosten der Fallbeispiel-Speaker:innen, Raummiete, Catering- /Snackkosten, Druckkosten für Arbeitsmaterial


> Kontakt-Person #raumkon19: Marie Neumann (marie@konglomerat.org)


Hier geht es zu den durchgeführten Fallstudien der #raumkon19.


Foto: Ralf Menzel

Foto: Ralf Menzel