Zukunftsschutzgebiet
Stadtraum

Fachgespräch

Im intensiven Fachgespräch-Workshop wird sich auf tiefgehender fachlicher Ebene zu Grundsätzen, Zielen, Visionen und Hemmnissen eines spezifischen Knackpunkt-Themas ausgetauscht. Unterschiedliche Methoden und ein ausgewähltes Publikum beschleunigen das thematische Eintauchen.

Foto: Ralf Menzel

Foto: Ralf Menzel





> Ziel: Ein Thema in der Tiefe zu massieren, um schnell an die Knackpunkte zu kommen, ist nicht so einfach umzusetzen. Neben der fehlenden Zeit, ist auch meist nicht das notwendige heterogene Fachpublikum vor Ort, um in die wirklich wichtigen Diskussionen einzusteigen. Ein Fachgespräch geht beides an: durch einerseits bereits geladene Gäste und andererseits unterschiedliche, gut getaktete Methoden kommt das Gespräch schnell zu den harten Nüssen, die man gemeinsam knacken will.


> Warum? 

  • Um ein Thema nicht nur an der Oberfläche zu streicheln, sondern direkt ans Eingemachte zu gehen.
  • Um Akteur:innen eines Themas zu bündeln und gleichzeitig mit einem breitgefächerten Fachpublikum in den Austausch über dieses Thema und dessen Kontroversen zu kommen.
  • Für einen guten Ansatzpunkt gemeinsamer Bestrebungen zum Thema, z.B. Strategie- oder Grundsatzpapiere - um den Samen der Koproduktion zu pflanzen, sozusagen.


> Speaker:innen: 

  • Moderator:in
  • Referent:in zum Thema


> Teilnehmende / Gäste: es braucht ein fachspezifisches, heterogenes Publikum! Das ist nur möglich durch persönliche Einladungen - ca. 15 - 25 geladene Expert:innen aus Zivilgesellschaft, Behörde, Politik & Wissenschaft zum jeweiligen Thema. Die restlichen Plätze der insgesamt ca. 30 - 40 werden per Anmeldung an Interessierte freigegeben.


> Wo, Wann, Wie lang? Es braucht einen Raum, der sich sowohl für Vortrags- als auch Gruppenarbeitssituationen eignet, mit ausreichend Stühlen & Tischen für Kleingruppenarbeit! Da einige Menschen während, andere erst nach ihrer regulären Arbeitszeit am Workshop teilnehmen, eignet sich der frühe Nachmittag - und auch, weil der Workshop insgesamt 4h geht.


> Zeitpunkt: Fachgespräche können immer durchgeführt werden, wenn ein bestimmtes Thema gerade den Zahn der Zeit trifft. Sie eignen sich hervorragend als Auftakt für z.B. Grundsatz- oder Positionspapier zum Thema bzw. können solche sehr gut unterfüttern mit unterschiedlichen fachlichen Standpunkten.


> Vorbereitung & Durchführung: 

// 3 Monate vorher:

  • gründet ein Orga-Team aus 2 Personen; setzt das Thema & Datum fest.

>> ! Es eignet sich ein Thema zu nehmen, was eine Vision aufzeigt, wo bei der Erreichung aber noch viele ungeklärte Hürden zu nehmen sind. Z.B.: Wie kann man in einem kapitalistischen System mehr Gemeinwohl in die Stadtentwicklung bringen? Wie kann in der gegenwärtigen Stadtplanung mehr niederschwellige Beteiligung integrieren werden? usw.

  • sucht eine geeignete Moderator:in, die firm mit dem Thema & den verschiedenen Methoden ist (Methoden s. Ablauf des Tages).
  • sucht eine:n Referent:in zu eurem spezifischen Thema, der/die einen ca. 30-minütigen Input geben kann. 

>>! Der Input sollte einen neuartigen Denkanstoß zum Thema für alle Teilnehmenden geben & nicht bereits Bekanntes und Breitgetretenes wiederholen. Z.B.: Welche Schnittstellen hat die Commons-Bewegung mit der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung?

  • erstellt eine Liste mit Expert:innen, die euer gewähltes Thema kontrovers aus unterschiedlichen Standpunkten diskutieren können: aus behördlicher und politischer Sicht, aus praktischer Sicht, aus wissenschaftlicher Sicht, aus Sicht von direkt Betroffenen.

>> ! Die Balance zu finden zwischen theoretischer Expertise und praktischer Anwendung ist gar nicht so einfach: achtet bei den geladenen Expert:innen auf eine gute Verteilung beider Seiten.

  • verfasst eine möglichst persönliche Einladung für die Expert:innen, um sie davon zu überzeugen, dass ihre Teilnahme essentiell für einen konstruktiven Austausch im Fachgespräch ist. Bettet dafür das Thema in aktuelle Geschehnisse ein, die für die Person bzw. ihren Abreitsbereich relevant sind. Werbt auch mit dem Format und - wenn es bereits feststeht - mit dem Thema des Input-Vortrags.
  • sucht einen geeigneten Raum für ca. 30 - 40 Teilnehmende.
  • sucht ein Catering: bei 4 h sollte ein Snack à la Stullen / Tapas drin sein.

// 2 Monate vorher: 

  • haben eure Expert:innen bereits alle zugesagt? Hakt nach, bleibt dran! 

// 1 Monat vorher:

  • Geht eure bestätigte Expert:innenliste durch, prüft sie auf ihre Diversität und fragt gegebenenfalls noch weitere Expert:innen an. 
  • Öffnet die Anmeldung mit den restlichen Plätzen für weitere Interessierte. Bewerbt dafür die Veranstaltung in einschlägigen Verteilern und über mögliche Kooperationspartner:innen, die ebenfalls im Thema stecken. Bittet auch die zugesagten Expert:innen um Bekanntmachung der Veranstaltung.
  • Überlegt euch passende Fragen zu euren World-Café-Tischen (s. Ablauf). Denkt euch für jeden Tisch anregende Fragen / Aussagen aus, um das Gespräch anzukurbeln.

// 1 - 2 Wochen vorher: 

  • Prüft den Anmeldestand. Rührt gegebenenfalls nochmal die Werbetrommel.

>> ! Ein Fachgespräch kommt wirklich erst richtig in Fahrt, wenn Expert:innen aus unterschiedlichen (Arbeits-)Bereichen teilnehmen & es auch eine größere Anzahl an Teilnehmenden gibt.

  • legt 1 Person fest, die den Workshop intensiv protokollieren wird, d.h. während der 4 Stunden sämtliche Erkenntnisse, Diskussionsverläufe, Statements mitschreibt. 

>> ! Hilfreich für das spätere Protokoll ist, wenn der Inputvortrag & besonders die Fishbowl-Diskussion zudem per Audiomitschnitt festgehalten wird. Organisiert euch dafür ein Aufnahmegerät.

  • bestimmt 4 Personen, die jeweils die Moderation eines Tisches beim World-Café übernehmen. Moderation heißt: die Person kümmert sich um einen konstruktiven Austausch an ihrem Tisch und achtet darauf, dass das Thema fokussiert bleibt und sich sämtliche Menschen in die Diskussion einbringen; zu Beginn bestimmt sie jemanden aus der Gruppe, der die wichtigsten Erkenntnisse auf dem Flipchart festhält. 
  • legt 1 Person aus dem Orga-Team fest, die den kurzen Einführungsvortrag zum Anlass des Fachgesprächs hält (s. Ablauf).
  • erinnert die geladenen Expert:innen an den anstehenden Termin.
  • Besprecht mit der Moderation sinnvolle Fragen für die Fishbowl (s. Ablauf). Legt mit ihr gemeinsam die Start-Diskutant:innen für die Fishbowl fest - es sollte eine feine heterogene Gruppe sein, die sich aber nicht sofort zerfetzen wird.
  • Informiert die festgelegten Start-Diskutant:innen über ihr “Glück”: erklärt ihnen den Ablauf der Fishbowl und betont, dass ein geplanter Start wichtig ist, aber sie nach dem ersten Wechsel gern die Fishbowl verlassen können.
  • Lasst euch die PPP eurer/s Referent:in zuschicken

// am Tag: 

  • Richtet den Raum für den ersten Teil her, d.h. einen Stuhlkreis mit einer offenen Seite hin zur Leinwand; richtet den Beamer ein; stellt Getränke zur Verfügung; bereitet das Catering soweit wie möglich vor; stellt Pinnwände vor / neben die Leinwand - sie werden zu Beginn gebraucht.
  • Nice-to-have für den Themeneinstieg: legt auf alle Stühle Karteikarten + Stift. Auf diese schreiben die Teilnehmenden ihre Antwort einer Auftaktfrage zum Thema, die groß an einer Wand pinnt (z.B. “Was braucht es für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung am dringendsten?”).
  • empfangt die Moderation ca. 1 Stunde vor Beginn und sprecht mit ihr nochmal den Ablauf durch; klärt gegebenenfalls Fragen zu den anwesenden Expert:innen
  • empfangt den/die Referent:in eine ½ Stunde vor Beginn, klärt eventuelle Fragen.
  • alle Expert:innen und weitere Teilnehmenden können gemeinsam pünktlich zum Beginn ankommen. Geladene Gäste sollten aber besonders begrüßt werden, immerhin kommen sie auf euren Wunsch!

// Ablauf des Workshops:

  • Ihr bzw. die Moderation eröffnet den Workshop damit, sich und euch vorzustellen.
  • Es folgt gegebenenfalls die Aufforderung, die Auftakt-Frage mit einem Wort zu beantworten - die Antwort wird auf die Karteikarte geschrieben & von einer Orga-Person unter die Frage gepinnt; zudem stellen sich reihum alle Teilnehmenden vor: mein Name, in welcher Rolle bin ich hier, welches Wort verbinde ich mit dem heutigen Thema und wieso?
  • Es folgt euer kurzes Intro (5 - 10 Min.) zum Anlass des Fachgesprächs: wieso haben wir das Thema genau jetzt gewählt, was ist der Anlass? Wieso wollen wir, dass sich heute so viele unterschiedliche Menschen intensiv damit beschäftigen? Was sind eventuell Ziele, in die die Ergebnisse von heute einfließen?
  • Dann stellt die Moderation den Ablauf des Workshops vor und anschließend den/die Referent:in.
  • Es folgt der Input-Vortrag des/der Referent:in (ca. 30 Minuten).
  • Anschließend findet eine Fishbowl zum Thema und dem Vortrag statt. Fishbowl heißt, dass es einen inneren und einen äußeren Stuhlkreis gibt. Im inneren sitzen die festgelegten Start-Diskutant:innen + Moderation (insgesamt 4 Personen), im äußeren alle anderen. Es gibt immer einen leeren Stuhl im inneren Kreis. Die Moderation stellt dem inneren Kreis eine Frage, es folgt eine rege Diskussion bei der Beantwortung. Personen des äußeren Kreis können selbstständig aufstehen und sich auf den leeren Stuhl setzen, wenn sie etwas zum gegenwärtigen Thema des inneren Kreises sagen wollen - tut dies jemand, muss jemand aus dem inneren Kreis sich baldigst nach außen setzen. Die Moderation beachtet, dass der Wechsel fluide bleibt; gegebenenfalls kann sie neue Personen dazu bitten und bisherige Diskutant:innen “ausladen”. Zudem bringt die Moderation durch neue Fragen die Diskussion voran. Die Fishbowl sollte 60 Minuten gehen, um das Thema mit seinen Kontroversen schön bei allen Teilnehmenden einzumassieren.
  • 20 - 30 Min. Pause: Snack vom Catering fertig aufbauen und freigeben, gleichzeitig den Raum umbauen in eine Gruppenarbeitssituation: es braucht 4 Tische für je  8 - 10 Personen.
  • Nach der Pause fasst die Moderation die wichtigsten Erkenntnisse und Kontroversen der Fishbowl kurz zusammen (ca. 15 Minuten) und leitet dann über in das nächste Format: das World-Café.
  • Das World-Café besteht aus 4 Tischen: Grundsätze - Was sind grundlegende Kriterien für Thema X?; Werkzeuge - Welche Instrumente gibt es, um Thema X zu stärken?; Akteur:innen & Orte - Wer kann wie wo unterstützten, um Thema X voranzubringen?; Hemmnisse - Das ist ja alles schön und gut, aber in der alltäglichen Praxis mit Thema X ist es so und so.

>> ! Formuliert die Fragen spezifisch für euer Thema im Vorfeld um. Schreibt sie groß in die Mitte eines Flipcharts, was auf dem jeweiligen Tisch beim World-Café liegt. 

>> ! Unsere Fragen zum Thema “Gemeinwohl in der Stadtentwicklung” waren: Grundsätze – Zwischen Eigeninteressen und Gemeinwohl: Was sind sinnvolle und praktikable Gemeinwohl-Kriterien? Werkzeuge – Welche Instrumente gibt es zwischen und außerhalb von Markt und Staat, um das Gemeinwohl in Dresden zu stärken? Commons/Orte & Akteure – Was sind Gemeingüter in Dresden, was könnten welche werden und wer macht aus diesen Gütern Gemeinwohl? Hemmnisse – Das ist ja alles schön und gut, aber in meiner alltäglichen Arbeit ist das kaum umsetzbar. Da hört es schon auf bei…

  • Nach jeweils 15 Min. wechseln die Teilnehmenden an den nächsten Tisch - gern auch querbeet, damit sich keine “eingeschworenen” Diskussionsgruppen ergeben. Nach 4 Runden (60 Min.) werden die 4 Tische in die Mitte des Raums zusammengeschoben und die 4 Flip-Charts darauf gelegt. Alle Teilnehmenden versammeln sich, stehend oder sitzend, um diesen großen Tisch. Die Tisch-Moderationen fassen in je 2-3 Minuten die Erkenntnisse ihres Tisches zusammen.
  • In diesem Setting am großen Tisch kann direkt anschließend an die Tisch-Zusammenfassung eine Feedback-Runde aller Teilnehmenden eröffnet werden von der Moderation: was haben Sie heute mitgenommen? Was war ein AHA-Moment? Was nehmen Sie für ihre Praxis mit? Dafür kann die Pinnwand mit den Karteikarten vom Beginn sinnvoll sein, um sich an den Workshop-Anfang zu erinnern.
  • Zuletzt bedanken sich die Moderation und ihr bei allen Teilnehmenden für ihre aktive Diskussionsbereitschaft. Ihr weist auf eure (vorher vorbereitete!) Email-Liste hin: da können sich alle eintragen, die nicht direkt eingeladen wurden, um die Dokumentation zugeschickt zu bekommen. Es wird auch darauf hingewiesen, ob und wie die Ergebnisse in den weiteren Prozess zum Thema in eurer Stadt / Kommune / Land verwendet werden.

>> ! Falls ihr richtig Bock habt, den Tag zu etwas ganz Besonderem zu machen, reserviert im Vorfeld einen Tisch in einem nahegelegenen Restaurant / Kneipe. Ladet alle Expert:innen bereits in der Einladungsmail ein, im Anschluss an den Workshop gemeinsam Essen zu gehen (Selbstzahler:innen) - das intensiviert das Vernetzen und Brücken bauen zum Thema allemal. Und wann kommt nochmal die Chance mit diesen Menschen beim Abendessen über euer Thema zu philosophieren?

// 1 - 2 Wochen danach:

  • Arbeitet den gesamten Workshop durch: das mitgeschriebene Protokoll (mithilfe der Audio-Aufnahmen), die World-Café-Flipcharts und die PPP der/des Referent:in. Erstellt ein O-Ton-Protokoll, das heißt lasst die Diskussionsverläufe nicht weg, aber reduziert sie auf das Wesentliche und hebt die spannendsten Erkenntnisse hervor. Fügt gegebenenfalls entstandene Bilder & die PPP dazu.
  • Schickt das Protokoll an alle Teilnehmenden. Je nach Anlass eures Fachgesprächs verweist auf Folgeveranstaltungen / -termine, um das Thema weiter zu bearbeiten bzw. das Grundsatz- oder Positionspapier fertig zu formulieren.


> Worauf noch zu achten ist: Je mehr Teilnehmende, desto mehr Platz zum Denken braucht es - unterschätzt das nicht! 40 Menschen sind viele, wenn alle sitzen und schreiben und diskutieren wollen, das muss der Raum unbedingt hergeben.


> Wie war es bei uns? Unser allererster Test eines Fachgesprächs war bereits im April 2019 zum Thema “Frei, fair und lebendig - Gemeinwohl in der Stadtentwicklung”. Wir hatten dafür intensiv Expert:innen akquiriert und kleinstteilig den Ablauf geplant. Das hat sich im Workshop sehr positiv ausgezahlt - alle waren am Ende platt, aber auch sehr zufrieden mit den neuen Erkenntnissen zum Thema und der Möglichkeit, mit diesen unterschiedlichen Fachmenschen debattieren zu können. Die Fachgespräche während der #raumkon19 waren nur eines von vielen Formaten, weswegen die Vorbereitungen nicht mehr so krass verfolgt werden konnten - sie waren auch gut, aber es fehlten z.T. die notwendigen Expert:innen für die tiefgehenden Debatten.


> Kostenpunkte: Miete für Raum & evtl. Technik, Honorar für Moderation und Referent:in, Catering- und Getränkekosten, Arbeitsmaterialien (Flipcharts)


> Kontakt-Person #raumkon19: Marie Neumann (marie@konglomerat.org)


Hier geht es zu den durchgeführten Fachgesprächen der #raumkon19.

Foto: Ralf Menzel

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