Zukunftsschutzgebiet
Stadtraum

4 Dresdner Fälle

Brandaktuelle Schauplätze Dresdner Stadtentwicklung:

1 Leipziger Bahnhof, 2 Neustädter Markt, 3 Robotron-Kantine, 4 Plattenwerks-Areal

1 Leipziger Bahnhof, 2 Neustädter Markt, 3 Robotron-Kantine, 4 Plattenwerks-Areal


FALL 1

Leipziger Bahnhof


14 Hektar mitten in der Stadt – der älteste Fernbahnhof Kontinental-Europas. Leer, überwuchert und im Besitz der Globus Warenhaus Holding. Hier sollte planmäßig ein Mega-Markt entstehen. Nach weitreichenden Protesten liegt das Projekt derzeit auf Eis. Einen Bebauungsplan gibt es nicht – die Stadt sucht nach einer Ausweichfläche für Globus und stößt gleichzeitig den Beteiligungsprozess »Kooperative Stadtentwicklung Leipziger Vorstadt« an. Eine Bürgerinitiative wirbt für Wohnraum und gemeinwohlorientierte Entwicklung des Geländes. Künstler, Gewerbe und Wagenplatz, die sich in Zwischennutzungen befinden, schauen in eine ungewisse Zukunft.


FALL 2

Neustädter Markt

Der starke August und sein Pferd glänzen wie eh und je. Rundherum gibt es jedoch städtebaulichen Nachholbedarf. Der Neustädter Markt ist zentraler Zankapfel für die Menschen dieser Stadt. Ein Narrenhäusel oder doch keins? Nach dem zugeschütteten Tunnel, jetzt eine autofreundliche Überbauung? Hier stehen sich prunkvolle Barockfassaden und sozialistische Promenadenbauten gegenüber. Bleibt da noch Platz für moderne Architektur? Das Dresdner Stadtplanungsamt organisierte einen Beteiligungsprozess, der weit über das Mindestmaß hinausgeht. Doch nach wie vor fühlen sich Menschen nicht mitgenommen. Grund genug, sich das mal genauer anzuschauen.


FALL 3

Robotron-Kantine

Das Überbleibsel der DDR-Computerproduktion ist zwar offiziell »nicht schutzwürdig«, das öffentliche Interesse am Gebäude aber groß. Ein städtisches Museum und ein Zusammenschluss aus Wissenschaft und Kreativwirtschaft haben sich verbündet, um den Standort für die Gesellschaft zugänglich zu machen. Rundherum entsteht ein ganzes Viertel neu: Ein einziger Investor baut über 3000 Wohnungen. Die Gründung des Kombinats Robotron jährt sich in diesen Tagen zum 50. Mal, während der Stadtrat entscheidet, wie der zukünftige dritte Ort aussehen soll – Wiese oder Volkskantine?


FALL 4

Plattenwerks-Areal

Fotos: Carl Ahner

Fotos: Carl Ahner


Wo einst aus Kriegsschutt Platten für den Hochhausbau hergestellt wurden, befand sich bis Ende 2018 das informelle Zentrum der Johannstadt: Rodelhügel, Skatepark und weitläufige Wiesen. Mittlerweile wurde das Gelände »glattgezogen« – übrig bleibt eine riesige Brache inmitten der Stadt. Hier scheint alles möglich, zumal fürs Erste nicht gebaut wird. Zur Raumkonferenz erobert sich die pulsierende Zivilgesellschaft der Johannstadt die Fläche zurück und lädt zum Mitmachen ein.